Die Würde des Wartens

Es gab eine Zeit, da lag zwischen der Welt
und dem Ort, der uns heute gefangen hält,
ein schmaler Korridor, ein physischer Raum,
ein leises Signal wie ein wacher Traum.
Das Netz war kein Ozean, in dem man ertrinkt,
kein …

Lyrik für leise Momente.

Lyrik für leise Momente.

Es gab eine Zeit, da lag zwischen der Welt
und dem Ort, der uns heute gefangen hält,
ein schmaler Korridor, ein physischer Raum,
ein leises Signal wie ein wacher Traum.
Das Netz war kein Ozean, in dem man ertrinkt,
kein …

Der Atem geht ein, der Atem geht aus,
wir sperren uns selbst im Gedankengeschirr aus.
Wir zählen die Risse im bröckelnden Putz
und suchen im Schönsten nach Makel und Schmutz.
Der Tag baut uns Brücken aus gleißendem Licht,
doch wir …

Es gibt eine Stille,
die nicht leer ist.
Sie ist nicht die Abwesenheit von Geräuschen,
sie ist eine Wand aus dickem, grauem Samt,
die sich langsam zwischen mich
und das Leben geschoben hat.
Stellt euch vor, die Welt wäre ein …

Meine Damen und Herren, liebe Mitleidende im Hamsterrad der Effizienz,
habt ihr euch heute schon gestresst gefühlt?
Hattet ihr das Gefühl, euer Leben sei ein TikTok-Video auf doppelter Geschwindigkeit?
Dass ihr zwischen zwei Zoom-Calls,
drei Messenger-Sprachnachrichten
und dem verzweifelten Versuch, …

Es beginnt immer mit einem Geräusch.
Nicht laut.
Nicht wichtig.
Nur ein kaum hörbares Knacken,
wie wenn ein Gedanke im Kopf beschließt,
dass er jetzt nicht mehr sitzen bleibt,
sondern aufsteht,
den Stuhl zurückschiebt
und sagt:
„So. Jetzt reicht’s.“
Und …

Es ist laut hier drin.
Es ist so unendlich laut.
Nicht nur hier in diesem Raum, nicht nur auf dieser Bühne, unter diesen Lichtern, die in meine Augen schneiden wie kleine, grelle Glassplitter. Es ist laut in der Welt. Es …

Manchmal ist die Welt so laut, dass wir verlernen, das Schweigen zu buchstabieren.
Wir füllen die Leere mit Smalltalk, mit dem Klirren von Gläsern und dem fahlen Licht unserer Bildschirme.
Wir feiern, wir trinken, wir lästern – wir bauen Mauern …

Es hat gedauert. Lange. Überreif ist gar kein Ausdruck.
Das hier ist keine Rache, das ist eine Inventur der Scherben.
Vergessen? Funktioniert nicht.
Verdrängen? War mein Vollzeitjob.
Ich war der Weltmeister im „Mit-mir-selbst-Ausmachen“.
Ein einsamer Wolf im digitalen Schafspelz.
Ich …

Es gibt Abende,
an denen ich mich selbst kaum ertrage.
Nicht, weil ich mich hasse,
sondern weil ich mich nicht mehr erkenne.
Ich sitze da,
in einem Raum, der eigentlich hell ist,
und trotzdem fühlt es sich an,
als hätte …

Das Leben ist kurz.
Nicht als Warnung.
Nicht als Drohung.
Sondern als sanfte Hand
auf meiner Schulter,
die sagt:
„Schau hin.
Du bist hier.“
Und ich merke,
wie oft ich mich selbst
auf später verschoben habe.
Wie oft ich gewartet …

Einen Moment lang ein anderer Mensch.
Nicht, weil ich mich selbst ablehne.
Sondern weil ich wissen will,
wer ich wäre,
wenn ich mich nicht ständig festhalte
an dem, was ich kenne.
Ich frage mich,
wie viel von mir wirklich ich …

Jetzt, wo ich hier bin,
an einem Ort ohne Richtung,
ohne Uhr,
ohne Körper,
ohne das ständige Drängen von gestern und morgen,
jetzt wird mir klar,
wie blind ich war.
Ich sehe mein Leben vor mir,
nicht mehr durch die …